Globus
Wahrscheinlich müssen wir unsere Lebensgewohnheiten ändern und neue Antriebskonzepte entwickeln. Elektromotoren aber brauchen zusätzlichen Strom, und mit dessen Produktion sind ebenfalls ungeklärte Fragen verbunden.
Die Debatte um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken hat durch den Ausgang der Landtagswahlen in NRW eine neue Wendung erhalten. Schon davor hat die Idee für Aufsehen gesorgt, Europa in großem Maßstab mit Solarstrom zu versorgen, der in Wüsten erzeugt wurde: rund 400 Milliarden Euro will das DESERTEC-Konsortium um E.ON, RWE, Siemens, Deutsche Bank und Münchner Rück bis 2050 in das Projekt investieren und so bis zu einem Viertel des europäischen Strombedarfs decken.
In diesem Semester werden wir uns mit den Chancen und Risiken eines solchen Großprojekts befassen – in eigenen Veranstaltungen und im Rahmen etablierter vhs-Reihen wie unseren Informationsbesuchen, „Uni im Rathaus“ und den „Afrikanischen Länderportraits“.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat die ersten Machbarkeitsstudien für den Wüstenstrom unternommen. Federführend war Dr. Franz Trieb, der für einen Einführungsvortrag nach Bonn kommt. Prof. Stephan Conermann untersucht das politische Konfliktpotenzial vor dem Hintergrund des Verhältnisses von Religion und Politik in den Maghrebstaaten. Bei der Deutschen Welle erfahren wir von der Umweltredakteurin Helle Jeppesen, wie der Sender über das Projekt berichtet, und die Journalistin Martina Sabra berichtet über die Diskussion, die DESERTEC in Marokko ausgelöst hat.
Nach weiteren Veranstaltungen diskutieren wird in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft drängende Fragen des Projekts: Welchen Beitrag kann der Wüstenstrom für die zukünftige Energieversorgung leisten? Wird der Strommarkt durch Desertec an Dynamik gewinnen? Welche Rolle sollte die staatliche Unterstützung erneuerbarer Energien spielen, um den Technologievorsprung Deutschlands auszubauen? Wird Desertec das Machtgefüge zwischen EU und Maghreb verändern? Welche Chancen bietet Desertec für Entwicklungsländer?
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise findet in zwei Veranstaltungen Niederschlag: Prof. Wilhelm Hankel ist ein Euro-Kritiker der ersten Stunde. Schon 1997 klagte er vergebens gegen die Einführung der Einheitswährung. Viele seiner Bedenken bekommen vor der Krise des Euro neues Gewicht, weshalb er erneut vor das Verfassungsgericht gezogen ist. Mit ihm diskutieren wir über die Entwicklung des Euro.
Die Krise hat auch direkte Auswirkungen auf die Finanzen der Stadt Bonn. Während Milliarden für die Rettung von Banken und Staaten aufgewendet werden, brechen den Kommunen die Einnahmen weg. OB Nimptsch und die Bonner Leiter von Caritas und Diakonie versuchen im Gespräch Wege aufzuzeigen, wie Bonn trotz leerer Kassen ein attraktiver Lebensraum bleiben kann, aus dem auch sozial Schwache nicht ausgeschlossen werden.
Einen bislang wenig beachteten Aspekt des Lebens in Bonn wollen wir in einer Spurensuche erschließen. Frau Prof. Bechhaus-Gerst vom Institut für Afrikanistik in Köln leitet eine Seminarreihe über die Beziehungen Bonns zu den Deutschen Kolonien. Sie können selbst aktiv werden, indem Sie in Archiven recherchieren, Bonner Familien befragen und im Stadtbild nach Zeugnissen der kolonialen Beziehungen Bonns suchen. Das Ziel ist die Konzeption und Gestaltung einer Ausstellung zu diesem Thema, die wir in Bonn zeigen wollen.
Letzte Aktualisierung: 29. Juni 2010