| Kursnummer | 6304 |
| Leitung |
Lothar Altringer
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| Datum | Donnerstag, 05.11.2026 18:00–19:30 Uhr |
| Plätze | min. 15 / max. 25 nur noch wenig Plätze frei |
| Entgelt | 8,00 EUR Wir bitten um eine vorherige Anmeldung. |
| Ort |
VHS, Mülheimer Platz 1, Raum 3.49
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Vortragsreihe: Große Städte, große Momente
Urbino 1507, Venedig 1518, Amsterdam 1612: In bestimmten Städten, zu bestimmten Zeiten, verdichtet sich etwas – Ehrgeiz und Geld, Talent und Gelegenheit –, und es entstehen Werke, die uns bis heute den Atem nehmen.
Diese Vortragsreihe führt an solche Orte und in solche Augenblicke. Sie erzählt von Künstlern und ihren Rivalen, von Auftraggebern mit großen Plänen und von Städten, die mehr waren als Kulisse – die selbst Teil des Kunstwerks wurden. Jeder Abend verbindet Nahaufnahmen einzelner Meisterwerke mit dem großen Panorama einer Stadt im entscheidenden Moment.
Sie werden viel sehen an diesen Abenden: Details, die man vor Ort leicht übersieht, Zusammenhänge, die sich erst aus der Entfernung erschließen – und vielleicht den einen oder anderen Grund, bei der nächsten Reise genauer hinzuschauen.
Stellen Sie sich vor, Sie betreten die Basilika Santa Maria Gloriosa dei Frari. Das Kirchenschiff ist lang und dämmrig. Dann, am Ende des Mittelgangs, leuchtet es auf: über sieben Meter hoch, ein Wirbel aus Gold und Rot und Blau. Marias Himmelfahrt, gemalt von einem jungen Mann aus den Bergen der Dolomiten, der gerade dabei ist, die Kunst des Altarbildes von Grund auf neu zu erfinden.
Als Tizian dieses Gemälde 1518 enthüllt, bricht er mit allem, was die venezianische Altarmalerei bis dahin kannte. Seine Madonna schwebt nicht still empor wie auf den Bildern seiner Vorgänger. Sie drängt nach oben, kraftvoll, fast ungeduldig. Unten recken die Apostel die Arme, staunen, zweifeln, jubeln – und oben empfängt sie Gottvater in einem Himmel, der aus purem Licht zu bestehen scheint. Wo andere Maler die Bildarchitektur vom Kirchenraum trennten, verschmilzt Tizian beides zu einem einzigen dramatischen Raum.
Der Abend erzählt, wie ein Außenseiter aus Pieve di Cadore die Lagunenstadt zur Hauptstadt der Farbe machte – in einer Republik, die ohne König auskam, aber nicht ohne Bilder.